Wohnungseinrichtung als Museumsobjekt
Die Architektur ist ein sehr interessanter Teil der Geschichte und zum Glück überdauert sie oftmals auch viele Jahrhunderte und sogar Jahrtausende. Wir können uns so anhand von Ausgrabungen vorstellen, wie die Menschen im Altertum und in fernen Ländern gelebt haben. Aber auch die Architektur und Einrichtung der jüngeren Geschichte ist sehr interessant, denn daran erkennt man, dass alles irgendwann mal wiederkommt.
Nehmen wir z. B. mal den „Kanzlerbunker“, der 1963 geplant und gebaut wurde. Der schlichte Flachbau mit der umlaufenden Glasfassade aus Türen und Fenstern erinnert sehr an den puristischen Bauhausstil der BAuhausarchitekten. Natürlich hatte jede Kanzlerfamilie, die dort einzog, persönlichen Stil und Einrichtungsideen mitgebracht, doch der Grundgedanke blieb stets derselbe: schlichtes Design der Möbel, klare Linien, sanfte Farben und viel Licht. Erinnert Sie das an was? Ja, genauso sind nämlich die aktuellen Einrichtungstrends.
Vielleicht hatten Kanzlers noch keine Tempur Matratzen in ihren Betten, doch waren die Schlafzimmer damals schon genauso stylisch wie heute eingerichtet mit Schwebetürenschränken und sogar begehbaren Kleiderschränken. Auch die Wohnzimmermöbel können durchaus aus einem aktuellen Möbelkatalog stammen, selbst das Innovation Sofa findet man in Loki Schmidts Wohnzimmer. Der Kanzlerbunker ist inzwischen als Museum der Öffentlichkeit übergeben worden. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall für all jene, die sich mit moderner Raumgestaltung befassen.
Ein anderer Gestaltungstrend, der sich wie ein roter Faden durch alle Einrichtungsmoden der vergangenen Jahrzehnte zieht, ist die rustikale Einrichtung der Wohnräume. Vor allem auf dem Land, aber oft auch in der Stadt umgeben sich die Menschen gern mit bäuerlichen Möbeln, essen gern aus Keramikgeschirr an groben Holztischen, lieben bemalte Bauernschränke, bestickte Gardinen und holzgeschnitzte Weihnachtspyramiden. Daraus entwickelte sich in den 90er Jahren der sogenannte Landhausstil, bei dem traditionelles Design mit modernen Ansprüchen vermischt wurde. Wer jedoch genauer sehen möchte, wie man früher in den Bauern- und Bürgerhäusern lebte, findet solche Baudenkmäler in jeder Region. Eines der ältesten deutschen Freilichtmuseen sind z. B. die Thüringer Bauernhäuser in Rudolstadt, wo man u.a. auch eine Dorfapotheke aus dem 17./18. Jahrhundert bestaunen kann. Als Gegensatz empfiehlt sich dann ein Besuch der Heidecksburg, in der man die dann sehen kann, wie gut man auch schon damals mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche bauen und leben konnte.